Hösbachs Turner holen Edelmetall bei Deutschen Vereinsmeisterschaften 2009
Um Titelgewinn betrogen?
Es hätte der größte Triumph der Vereinsgeschichte werden können, doch leider fehlten den Hösbachern am Ende grade mal 1,15 Punkte, um Deutscher Meister der Vereinsmannschaften zu werden. Allerdings drängt sich der Verdacht auf, dass der Vereinskampfrichter der siegreichen Mannschaft aus Halle dabei eine gewichtige Rolle gespielt hat. Ausgerechnet am letzten Gerät Boden, wo besagter Kampfrichter über die Ausführungsbewertung der Übungen zuständig war, wurde der TVH trotz guter Vorträge mit außergewöhnlich harten und unverständlichen Abzügen bestraft.
Konnte man sich während des gesamten Wettkampfs immer auf dem 1. bis 3. Platz der Gerätewertungen platzieren, kam die Riege hier nicht über den 6. Platz hinaus. Der Sieg ging somit an Halle vor Dresden und Hösbach.
Hochkonzentriert begann die Hösbacher Riege ihren Wettkampf am „Zittergerät“ Pauschenpferd. Trotz extremer Anspannung brachten alle 5 Akteure ihre Übungen ohne Hänger und Absteiger durch, wenngleich auch nur Johannes Kress (11,60) und Jochen Sauer (12,00 – vierthöchste Wertung an diesem Gerät) ihren Vortrag souverän darboten. Die erzielten 45,50 Punkte waren am Ende das zweitbeste Ergebnis aller 9 Mannschaften an diesem Gerät, doch im Gesamtklassement reihte man sich erst mal auf dem 6. Platz ein, da an Geräten wie Sprung, Boden oder Barren in der Regel höhere Ergebnisse zu erzielen sind. Mit sensationellen 50,00 Punkten an den Ringen, der höchsten Punktzahl aller Mannschaften an diesem Gerät, sorgten die Hösbacher dann für einen Paukenschlag. Alle 4 Turner, die in das Mannschaftsergebnis gewertet werden, turnten über 12 Punkte, wobei Maximilian Siebenlist mit 12,80 Pkt. (dritthöchste Wertung aller Teilnehmer) und Lukas Bruder mit 12,50 Pkt. die Besten waren. Kleine, ungewohnte Standprobleme beim Sprung brachten mit 49,50 Pkt. das drittbeste Ergebnis aller Mannschaften und erstmals einen Platz unter den Top 3 im Gesamtklassement. Florian Zang mit 12,70 Pkt., der vierthöchsten Wertung des Tages, sowie Lukas Bruder mit 12,50 Pkt. konnten sich dabei am besten in Szene setzen. In Führung lag Dresden vor Halle mit knappen drei Punkten Abstand zum TVH, der jedoch mit dem Vorteil, schon am Pauschenpferd geturnt zu haben. Erstmals wurde bewusst, man in den Titelkampf eingreifen könnte, da die stärksten Geräte eigentlich noch anstanden und die restlichen Mannschaften, mit den wesentlich stärker eingeschätzten Erfurtern erst mit großem Abstand folgten. Am Barren war dieser Siegeswille zu spüren: Souverän ausgeturnte Übungen brachten mit 49,40 Pkt. das zweitbeste Mannschaftsergebnis, wobei Florian Zang mit 12,80 Pkt. die Tageshöchstwertung am Barren erzielte. Erstmals griff auch „Altmeister“ Phu Nguyen ins Geschehen ein und erzielte wie Lukas Bruder mit 12,40 Pkt. die fünfthöchste Wertung an diesem Gerät. Die Vorentscheidung musste am Reck fallen, wo man alles riskieren musste, um Boden zu den führenden Mannschaften gutzumachen. Erneut war es Florian Zang, der mit 11,85 Pkt. (fünftbeste Übung des Tages) die meisten Punkte für Hösbach erturnte. Aber auch Julian Fäth konnte mit seiner neuen Übung und 11,20 Pkt. überzeugen. Leider blieb man mit dem Mannschaftsergebnis von 44,95 Pkt. etwas hinter seinen Möglichkeiten, was nicht zuletzt auf die nervliche Anspannung zurückzuführen war. Dresden und Halle konnten hier einen knappen Punkt mehr erzielen, sodass Hösbach vor dem letzten Durchgang, inzwischen auf dem 2. Platz liegend, die beste Ausgangsposition hatte, da sie ihren Wettkampf am Boden beenden konnten, während Halle ans Reck und Dresden an die Ringe mussten. Dass ausgerechnet am Boden der Heimkampfrichter aus Halle über die D-Note (Ausführung der Übung) entscheiden durfte, brachte die Hösbacher um den greifbaren Titelgewinn. Trotz fehlerfreier Vorträge wurde die Riege vom TVH mit ungewöhnlich hohen Abzügen bestraft. So sollte Florian Zang mit 12,00 Pkt. als bester Hösbacher nur die 12-beste Wertung aller Teilnehmer erhalten. Selbst Phu Nguyen, der seine Bodenübungen zu zelebrieren weiß, kam mit 11,90 Pkt. sogar nur auf Platz 16 an diesem Gerät. Die 46,85 Pkt. fallen dabei völlig aus dem Rahmen, da ausgerechnet am Boden die Hösbacher nicht zu den besten Mannschaften zählten und nur Rang 6 einnahmen. Halle schaffte das Kunststück, sich mit dem letzten Gerät an die Spitze zu turnen und mit 287,35 Punkten Deutscher Meister der Vereinsmannschaften vor Dresden (287,20) und Hösbach (286,20) zu werden. So haben die Hösbacher zwar ihr gestecktes Ziel – Medaillenplatz – erreicht, dennoch wollte letztendlich keine große Freude über diesen Erfolg aufkommen.
weitere Mannschaftsergebnisse: 4. MTV Erfurt 273,60; 5. TV Bad Ems 271,80; 6. HSG Leipzig 271,15; 7. HSV Weimar 270,45; 8. TV Mönchengladbach 234,95
Einzelergebnisse: 1. Lutz Leonhardt (Dresden) 75,00; 2. Karsten Bittner (Dresden) 74,00; 3. Johann Kalies 73,45; …7. Lukas Bruder 70,80; 9. Julian Fäth 69,35; 20. Florian Zang 60,25/5 Geräte; 24. Johannes Kress 57,75/5; 39. Maximilian Siebenlist 35,95/3; 46. Phu Nguyen 24,30/2; 51. Jochen Sauer 12,00/1; 53. Fabian Scherer 10,80/1


